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Interview mit Marc Levy

 

Frage: Ihr Vater war Verleger. Hat er Sie nicht gewarnt vor den Untiefen des Literaturbetriebs?
Marc Levy: Ich wusste doch, dass er mir irgendetwas verschwiegen hat! Ich werde ihn gleich einmal anrufen und fragen, warum er mich nicht gewarnt hat!

Frage: Wären Sie Kritiker Ihrer eigenen Bücher: Welchem Genre würden Sie sie zurechnen?
Marc Levy: Das ist eine sehr schwierige Frage! Würde ich „romantische Unterhaltung“ sagen, dann wäre das für Sie irreführend. Denn viele Leute haben mir erzählt, sie hätten beim Lesen meiner Romane geweint. Nenne ich meine Bücher aber „romantische Dramen“, würden Sie sich vielleicht auch wundern. Denn viele Leser sagten mir, sie hätten sehr viel gelacht bei der Lektüre. Kurzum: Ich denke, die Wahrheit liegt in der Mitte.

Frage: Sie haben Architektur studiert. Haben Sie auch als Architekt gearbeitet?
Marc Levy: Architektur habe ich eigentlich nicht studiert. Ich war vielmehr Gründer und Geschäftsführer eines Architekturbüros in Paris – Sie könnten im Übrigen auch Geschäftsführer eines Krankenhauses werden, ohne Arzt zu sein. Als mein erstes Buch veröffentlicht wurde, beschloss ich, dieses Geschäft aufzugeben, und wurde „Vollzeit-Schriftsteller“.

Frage: Wann beschlossen Sie, Schriftsteller zu werden?
Marc Levy: Einen festen Plan, Schriftsteller zu werden, gab es eigentlich gar nicht. „Solange du da bist“ habe ich für den Mann geschrieben, zu dem mein Sohn eines Tages heranwachsen sollte. Veröffentlichen wollte ich das aber nicht. Mit der Geschichte wollte ich meinem Sohn zeigen, wie er seinen Träumen folgen kann. Das, was dann mit dem Buch geschah, war wie ein Traum für mich. Ich hatte das Gefühl, weitermachen zu müssen. Ohne das zweite Buch wäre mir alles, was ich meinem Sohn sagen wollte, wie eine Lüge vorgekommen. Deshalb habe ich mich aus dem Architekturbüro zurückgezogen und mich ganz dem Schreiben gewidmet.

Frage: Heute leben Sie mit Ihrem Sohn in London. Was zieht einen Franzosen ins britische Königreich?
Marc Levy: Diese Frage stellen mir auch viele meiner englischen Freunde. London ist eine faszinierende multikulturelle, multiethnische Stadt. Sie hat eine ungeheure Energie, die Stadt ist schön, und die Londoner sind freundlich und einfach großartige Menschen. Ich wollte, dass mein Sohn in einer Stadt aufwächst, in der er ein Fremder ist, umgeben von Menschen jeder Hautfarbe und jeder Religion, die unterschiedliche Sprachen sprechen. Hier kann er erfahren, was Toleranz und Respekt bedeuten. Und er kann lernen, was Menschen voneinander unterscheidet, ohne sich davor zu fürchten.

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