Nein. Wahrscheinlich, weil mein Vater der Herausgeber von Kunstbüchern war und diese Branche sich sehr von der der Publikumsverlage unterscheidet. Aber er konnte mich sowieso nicht warnen, da er nicht wusste, dass ich eine Geschichte, oder besser gesagt: einen Roman, schreibe. Genauso wenig wie ich es in diesem Moment wusste.
Weil es die angenehmste Arbeit ist, die ich je hatte. Nein, Scherz beiseite. Ich bin beim Schreiben geblieben, weil es das ist was ich liebe. Und es hat viele Kapitel und verschiedene Erfahrungen in meinem Leben gebraucht, um dorthin zu kommen. Ich bin mit dem Schreiben sehr glücklich und hoffe, dass ich es für den Rest meines Lebens weitermachen kann.
Nun ja, ich glaube, ich habe mich nie wirklich dazu entschlossen. Ich finde es sehr anmaßend, zu entscheiden, ein Schriftsteller zu werden. Ich weiß noch nicht einmal ob ich jetzt ein Schriftsteller bin, ich empfinde mich eher als einen Geschichtenerzähler.
Als mein Sohn fünf Jahre alt war, erzählte ich ihm jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte, damit er keine Angst zu haben brauchte. Und diese Gute-Nacht-Geschichte hatte eine fortlaufende Handlung. Da Kinder ein anspruchsvolles Publikum sind, kann man nichts einfach vergessen oder übergehen, denn darauf wird man sofort aufmerksam gemacht. Also schrieb ich jeden Abend, nachdem er eingeschlafen war, den nächsten Teil dieser Geschichte.
Als er neun war, sagte er mir sehr offen, dass das Fernsehen viel interessanter sei als die Gute-Nacht-Geschichten seines Vaters.
Also konnte ich nicht länger für mein Kind schreiben, und das habe ich sehr vermisst. Deswegen beschloss ich, für den Mann zu schreiben, der mein Sohn einst sein wird.
So kam die Idee für „Solange du da bist“ ohne die Absicht, es jemals zu veröffentlichen. Mein einziges Ziel war es, diese Geschichte zu schreiben und sie meinem Sohn zu geben, wenn er 35 wird. Denn in diesem Alter habe ich angefangen, sie zu schreiben. Und wenn er es dann liest, wären wir im selben Alter und die besten Freunde der Welt.
Dann hat meine Schwester das Manuskript innerhalb einer Nacht gelesen und ich war so glücklich als sie mich ermutigte es einem Verlag zu schicken. Den Rest der Geschichte kennen Sie ja.
Nun, ich weiß es nicht. Ich glaube nicht, dass das besonders für Franzosen zutrifft, aber ich wollte mein ganzes Leben lang in einer fremden Stadt leben. Ich glaube, irgendwo zu leben, wo man fremd ist, kann zwar schwer sein, aber es ist auch eine wundervolle Schule für alltägliche Bescheidenheit.
Wenn man in der Haut eines Fremden lebt, wird nichts zur Gewohnheit. Man muss auf die Leute zugehen, denn sie kommen nicht von selbst auf einen zu. Man muss verstehen und nicht erklären. Das ist zwar manchmal schwierig, aber trotzdem sehr aufregend.
Was ich an Großbritannien besonders schätze ist, dass es ein Ort ist, an dem ich mich wirklich frei fühle. Man läuft eine Straße hinunter und hört zwanzig verschiedene Sprachen – und keinen stören die Unterschiede zwischen den Menschen.
In London herrscht eine ganz bestimmte Stimmung, wie ein Stimmengewirr, hier mischen sich alle Hautfarben, alle ethnischen Unterschiede, alle Nationen und trotzdem sind all diese Menschen Londoner, egal aus welchem Land sie ursprünglich kommen.
Es ist ein erstaunliches Gefühl der Freiheit in England, auch wenn es keine perfekte Welt ist, aber es gibt keine perfekte Welt auf dieser Welt.
Das ist eine schwierige Frage. Ich bin ein glücklicher Mann, also wird das wohl eine kurze Antwort. Die meiste Zeit bin ich wirklich glücklich.
Ich hatte das Glück, für das Rote Kreuz zu arbeiten, als ich noch ein sehr junger Mann war und das bringt einem bei, dass auf seinen eigenen Beinen zu laufen und normal atmen zu können schon ein unglaubliches Privileg ist, das einem genügen sollte, um glücklich zu sein.
Ich verbringe auch nicht sehr viel Zeit damit, mich im Spiegel zu betrachten und darüber nachzudenken was falsch ist. Ich weiß, das Leben ist kurz und ich bemühe mich, mich auf das zu konzentrieren, was gut läuft.
Ich arbeite tatsächlich im Moment intensiv an einem neuen Buch, das dieses Jahr erscheinen soll. Zusätzlich sollen noch zwei meiner Bücher verfilmt werden. Der Dreh zu „Wo bist du?“ beginnt in zwei Wochen, und die Verfilmung meines letzten Buchs wird Ende Juli in London starten.
Ja das ist es. Es ist anstrengend, weil man sich stark konzentrieren muss und weil man sich selbst animieren muss. Man lebt in einer Art Blase, in der man viele verschiedene Charaktere handhaben, sich an alles erinnern und alles in seinem Leben organisieren muss. Es ist vielleicht eine ähnliche Aufgabe wie die eines Dirigenten, der ein ganzes Orchester zusammenhalten muss.
Ich finde es etwas beschämend, dass ich das Schreiben als anstrengend empfinde, denn es gibt so viele Jobs die wirklich beschwerlich sind! Deswegen versuche ich, es anders zu empfinden, allerdings sagen dann Freunde und mein Verleger zu mir: „Schau dir dein blasses Gesicht an – es ist anstrengend!“
Wie ich mich entspanne? Nun, das ist eines der Dinge, die ich am besten in meinem Leben kann: mich entspannen. Alles kann entspannend sein. Ich war sehr, sehr schlecht in der Schule, weil ich mich bei allem entspannen kann.
Für die Charaktere in meinen Büchern würde ich das nicht sagen. Wenn es um Schriftsteller geht, habe ich viele Vorbilder. Der erste ist Romain Gary, dann Hemingway. Aber da ich viele Vorbilder habe und die Aufzählung zu lang werden würde, kann ich sagen, dass ich immer schon von den Schriftstellern beeindruckt wurde, die in die Freiheit verliebt waren. Viel mehr als von denen, die berühmt waren oder sich selbst in den Vordergrund stellten. Oder von denen, die der so genannten, „Intelligenzbewegung“ oder dem „Club of Writers“ angehören.
Die Bedeutung, zu schreiben oder ein Schriftsteller zu sein, ist ein großes Privileg, weil man so viel Freiheit in die Hand bekommt. Viele sind gestorben für die Möglichkeit, schreiben zu können was sie denken. Ein Schriftsteller kann tun, was immer er will in seinen Romanen. Ich habe immer die bewundert, die Respekt davor hatten.
Romain Gary war ein wirklich freigeistiger Schriftsteller. Vielleicht wurde er dann zu berühmt, weil er unter einem anderen Namen schreiben musste, um sich diese Freiheit zu erhalten und nicht als Romain Gary erkannt zu werden. Deswegen veröffentlichte er unter dem Pseudonym Ajar. Hemingway war ebenfalls ein Freigeist, und die Liste könnte mit Saint-Exupéry weiter gehen und noch sehr viel länger werden.
Ich hoffe immer auf zehn neue Lieblingsbücher pro Jahr. Ich versuche, keine Liste von Büchern zu haben, die wir „livre de chevet“ nennen, Bücher, die immer auf dem Nachttisch liegen. Das Buch, das auf meinem Nachttisch liegt, ist jenes, das ich gerade lese und nicht eines, das ich während der Schule gelesen habe.
Ich lache immer über die Leute, die auf diese Frage eine durchdachte Antwort haben und meist ein Buch nennen, das viele Jahre zuvor erschienen ist.
Zum Thema Filme: Tatsächlich habe ich mich in einen italienisch-deutschen Film verliebt, der einfach entzückend ist: „Bella Martha“. Ein sehr sehr schöner Film. Ich sollte wohl sagen, dass ich ein großer Film-Fan bin und eine umfangreiche Sammlung habe. Eine viel zu lange Liste, um sie hier alle aufzuzählen.
Ich finde in Deutschland ändert sich gerade die Wahrnehmung für Filme und das ist eine sehr schöne Entwicklung.